Stand der Materie / Zeitraum 

 

Das Verlassen des Raumes, in dem ich mich fast ein ganzes Jahr auf meine Arbeit konzentrieren konnte, bedeutete für mich eine große Umstellung. Das Equipment und mein Material befanden sich wieder in den Räumlichkeiten der Klasse für Transmediale Kunst. Da ich dort keinen Arbeitsplatz besaß, passte ich mich den bereits bestehenden Strukturen und Rhythmen an.

 

Die innere Verfassung versus verfügbare Zeit und der Ort, der gerade zugänglich ist.

 

Die Arbeitsmethode, die ich angenommen habe, war ähnlich meinem Aufenthalt in Venedig letztes Jahr. Ich hatte keinen fixen Wohnort und habe meine wichtigsten Sachen, alle Informationsträger, ständig im Rucksack mitgetragen. Mein Fokus lag zu der Zeit auf der Fertigstellung des neuesten Buches “Stand der Materie” und den restlichen Zeugnissen, die mir noch im Weg zum Diplom standen. Da sich die Universität durch den bevorstehenden Umbau in der Umzugsphase befand, wurden immer mehr Räume frei. Ich nutzte diese Gelegenheit, um meine Arbeitssituationen an anderen Orten zu erleben, auch wenn es nur für ein paar Stunden war. Nachdem die Transmediale Klasse als letzte umgezogen ist, stand mir das ganze Gebäude voller Sachen, die zurückgelassen wurden, zur Verfügung.


Leaving the room where I could concentrate on my work for almost a whole year meant a big change for me. The equipment and my material were once again in the premises of the class for transmedial art. Since I did not have my own workspace there, I adapted myself to the existing structures and rhythms.

 

The internal constitution versus available time and the place that is currently accessible.

 

The working method I assumed was similar to my stay in Venice last year. I did not have a fixed place of residence and always carried my most important things, all information carriers, in my backpack. My focus at the time was on the completion of the latest book “State of Matter” and the remaining exams that were still ahead of me on my way to receiving my diploma. As the university was in the process of moving, more and more rooms were becoming free. I used this opportunity to experience my workflow in other places, even if it was only for a few hours. After the Transmedial class was moved for the last time, I had a whole building full of stuff left behind.

 

 

 

 

Diese Situation konfrontierte mich am Stärksten mit dem Produktionsentzug, in dem ich mich noch immer befand. Meinen alten Arbeitsprinzipen folgend, wäre ich zu dieser Zeit mit dem Suchen, Sammeln und Lagern potentieller Materialien beschäftigt gewesen, woraus neue Objekte und Installationen entstehen könnten. Diese Vorstellung führte mich aber schnell zurück zu den ursprünglichen Gründen, warum ich die Analyse und Transformation meiner Position begann. Durch die bisherige Auseinandersetzung wusste ich darüber viel mehr als zu Beginn des Prozesses im Jahr 2014. Defnition, Struktur und Funktionsweise einer Position sind mit grundlegenden Fragen, die jeden betreffen, verbunden. Die materielle Produktion war für mich nur ein Teil der gesamten Struktur, der mit der Interaktion mit sich Selbst oder der Außenwelt zu tun hatte. Daher stand das Verständnis und die Möglichkeit einer bewussten Steuerung einer Position auf dem ersten Platz meines Interesses. Also konzentrierte ich mich weiterhin auf meinen Prozess in den leerstehenden Räumen der Universität, die man zusperren konnte.


This situation made me confront old working principles, at this time I was engaging myself in searching, collecting and storing potential materials, which could create new objects and installations. This idea led me quickly back to the original reasons why I started analyzing and transforming my position. Through the previous journy I knew much more about it than at the beginning of the process in 2014. The definition, structure and function of my position are linked to fundamental questions affecting everyone. For me, material production was only part of the whole structure that had to do with the interaction between myself and the outside world. Therefore, the understanding and possibility of conscious control of a position stood at the forefront of my interest, so I continued to focus on my process in the vacant spaces that coul be locked up at the university.

 

 

 

 

 

 

Die “Visualisierung des Bisherigen”, wurde Mitte Februar fertig. Die 770 Seiten teilte ich auf 6 Bücher auf:

 

“Einzelne Arbeiten 2007-2014” (151 Seiten) Über 30 ausgewählte Werke, thematisch geordnet. Bilder, technische Beschreibung und Eckgedanken, die in Punkten aufgelistet sind. Ein bisschen mehr als ein Portfolio und anders als ein Katalog. Eine Ansammlung die primär für mich sein sollte, um die Informationen Analog und Übersichtlich zugänglich zu haben.

“Entwicklung des Charakters Nico Rayf” (69 Seiten) Dieses Projekt begann im Jahr 2010 und entwickelte sich zu einem separaten Teil meiner künstlerischen Praxis. Die Entstehungsgeschichte und die Entwicklung bis zum aktuellen Zeitpunkt, aber auch die Persönlichen Erfahrungen,Eindrucke und Entscheidungen wurden in diesem Buch dargestellt.

“Neustart – Prozess Phase 1” (177 Seiten) Eine ausführliche Visualisierung, vom Beginn des Prozesses der Analyse, Transformation und Neudefnierung meiner Position, bis Ende des Jahres 2014. Es war für mich sehr wichtig, alle Fakten, Schritt für Schritt, so zusammenzufassen, dass falsche Interpretationen und Informationsverlust, möglichst ausgeschlossen werden/bleiben.

“Raumzeit – Prozess Phase 2“ (123 Seiten) Die Weiterführung meiner Arbeit im Jahr 2015. Die Trennung der Visualisierung auf mehrere Kapiteln/Teile passierte großteils automatisch und bezieht sich auf den Verlauf und die Struktur des Prozesses. Da die Bücher “Stand der Materie” immer wieder aktualisiert sein werden(werden kennen), betrachte ich sie als temporäre Zwischenschritte die entsprechend der Situation eine bestimmte Form annähmen.

“Hintergrundmaterial / Ideen” (195 Seiten) und “Hintergrundmaterial / Ideen” (55 Seiten) Textfragmente, Ideen, Skizzen, Zeichnungen die thematisch in A4 Folien geordnet waren, würden abfotografert und zusammengefasst.Das Ziel war nicht nur den schnellen Zugang und eine Übersicht zur schaffen, sondern auch die aktuellen Informationskonstrukte zu dokumentieren. Der Unterschied zwischen Informationen, die in Form von Bilderbüchern verfasst wurden und Informationen, die man frei umordnen kann, weil sie sich auf kleinen, separaten Papierstücken befinden, ist für mich mit der Möglichkeit der weiteren Anwendung verbunden. Diese Informationsträger gehören zu der Privaten Teil meines Besitzes.

 

 

Nach der Fertigstellung der Bücher, fühlte ich mich sehr klar. Der Weg dahin, die dauerhafte, ununterbrochene Konzentration auf mein Werk, hat mich innerlich stark verändert. Die Effekte eines langfristigen Prozesses, sind meistens mit der Zeit und dem damit verbundenen Abstand, deutlicher sichtbar. Dieser Gedanke begleitete mich seit der Soloausstellung im MUSA und wurde zu einer Art bewusster Geschichtsschreibung, in der ich die Zeit selbst als ein Teil dieser Arbeit instrumentalisierte. Es hat fast zwei Jahre gedauert, bis ich zu der Position kam, in der ich alles, was ich bis jetzt gemacht habe, genau refektiert, zusammengefasst und visualisiert habe. Ab diesem Zeitpunkt stand mir ein neues Werkzeug zur Verfügung, das mir die Möglichkeit gab, in jedem Moment auf das Dokument “das komprimierte Potential meiner Vergangenheit” zuzugreifen.


The “Visualization of the Past” was finished in mid-February. The 770 pages I seperated between 6 books:

 

“Individual works 2007-2014” (151 pages) over 30 selected works, thematically arranged. Images, technical description and notes that are listed in points. A bit more than a portfolio and different to a catalog. A collection that should be primarily for me to have the information in an analogous and clearly accessible way.

“Development of character Nico Rayf” (69 pages) this project began in 2010 and developed into a separate part of my artistic practice. It was the story of it’s creation and development to date, but also my personal experiences, imprints and decisions were presented in this book.

“Restart process Phase 1” (177 pages) a detailed visualization, from the beginning of the process of analysis, transformation and the new definition of my position, by the end of 2014. It was very important for me to summarize all the facts, step by step, so that false interpretations and loss of information are and remain excluded.

“Time-process Phase 2” (123 pages) the continuation of my work in 2015. The separation of the visualization into several chapters/parts was done for the most part automatically and refers to the process and the structure of the process. Since the books “State of Matter” will be updated again and again, I consider them as temporary intermediate steps that were a certain form based on the situation at the time.

“Background material/ideas” (195 pages) and “Background material/ideas” (55 pages) are fragments of text, ideas, sketches, drawings that were arranged thematically in A4 were photographed and summarized. The aim was not only to provide quick access and an overview of my creation, but also to document the current information constructs. The difference between information that is in the form of picture books and information that can be freely rearranged because it is on small, separate pieces of paper, for me is connected with the possibility of further application. These information carriers belong to the private part of my property.

 

 

After the completion of the books, I felt very clear. The way there, the permanent, uninterrupted concentration on my work, had changed me inside. The effects of a long-term process are more clearly visible with time and the associated distance. This thought has accompanied me since my solo exhibition in Musa and became a kind of conscious historiography in which I used the time itself as part of this work. It took almost two years for me to come to the position where I had done everything. I have so far refracted, summarized and visualized. From then on I had a new tool available that gave me the opportunity to access the document “The compressed potential of my past” at any moment.

 

 

 

 

 

Da ich mein Werk zu dieser Zeit nicht als Material für die Öffentlichkeit bestimmt sah, arrangierte ich Einzelgespräche mit ausgewählten Personen, die ich mit dem Inhalt von “Stand der Materie” vertraut machte. Dabei war für mich der persönliche Kontakt sehr wichtig, da ich nicht nur mich selbst der Herausforderung einer direkten Kommunikation stellen wollte, sondern auch die Auswirkung der Arbeit auf den Gesprächspartner unmittelbar erleben konnte. Die Form der Regulierung des Abstands, die Grenze zwischen persönlich und öffentlich bewusst zu setzen oder die Instrumentalisierung der künstlerischen Mittel, um mit der Außenwelt (dem Betrachter) in eine Interaktion/ Kommunikation zu treten, ist ein wichtiger Teil seit Beginn meiner künstlerischen Forschung. Hinter der Absicht der Einzeltermine stand, außer den Meinungen und Perspektiven der Anderen, das Verlangen nach Intensität und Dynamik. Einen Moment zu erleben, mit dem Bewusstsein, dass die Gegenwart etwas Einmaliges ist. Das Gegenteil einer Einstellung, in der man glaubt, die jetzige Zeit “opfern” zu müssen oder auf ein besseres Gefühl in der Zukunft zu warten.

 

In der folgenden Zeit erlebte ich viele wichtige Momente, sammelte immer mehr Erfahrungen und bekam Input aus verschiedenen Bereichen, unter anderem aus der Philosophie, dem Wissenstransfer, der Medientheorie, Kunstgeschichte, bildenden Kunst, Kulturabteilung der Stadt Wien (MA7), von Kuratoren, Galeristen und Künstlern, die für mich relevant und zugänglich waren. Ich bewegte mich weiter. Eine wichtige Beobachtung bezüglich der Menge und Dichte an Informationen, die ich in so kurzer Zeit (meistens eine Gesprächsstunde) den Betrachtern vermitteln wollte, stellte mich vor neue Fragen und Aufgaben. Außer den Einzelgesprächen inszenierte ich immer wieder neue Arbeitssituationen und beschäftigte mich mit Fragen bezüglich der Anwendung meiner Werkzeuge, Materialien und Informationen, die ich kreierte.

 

Ende Mai musste ich das leerstehende Gebäude der Universität aufgrund der beginnenden Bauarbeiten verlassen. Daraufhin transportierte ich alle meine Sachen in die neuen Räumlichkeiten der Transmedialen Klasse in die Vordere Zollamtsstraße 3. Dort fand ich einen Platz, den ich als Lager nutzen konnte, befand mich jedoch im Verlauf der nächsten Monate selten auf der Uni. Erst im August kam ich dazu, dort eine neue Arbeitssituation zu erleben. Da ich mich für den Abschluss meines Studiums, der für das Wintersemester geplant war, vorbereitete, begann ich erneut über die Ausführung meiner nächsten Absichten nachzudenken.


Since I did not see my work as a material for the public at that time, I arranged individual interviews with selected persons who had become acquainted with the content of “State of matter”. For me, personal contact was very important, as not only did I want to face the challenge of direct communication, but also experienced the impact of the work on the interlocutor directly. The form of regulation of distance, the boundary between personal and public awareness, or the use of artistic means to enter into interaction/communication with the outside world (the viewer) has been an important part of my work since the beginning of my artistic research. Behind the intentions of the individual dates, apart from the opinions and perspectives of the others, was the desire for intensity and dynamism. To experience a moment with the awareness that the present is something unique, the opposite of a mindset in which one believes that it is necessary to “sacrifice” the present time or to wait for a better feeling in the future.

 

In the following time I experienced many important moments, gained more and more experiences and received input from various fields, including philosophy, knowledge transfer, media theory, Art history, visual arts, cultural department of the City of Vienna (MA7), curators, gallery owners and artists who were relevant and accessible to me. I moved on. An important observation regarding the amount and density of information that I wanted to convey to the viewers in such a short time (usually an hour long conversation) posed me with new questions and tasks. In addition to the individual interviews, I always staged new working situations and I was concerned with questions about the use of my tools, materials and information that I created.

 

At the end of May I had to leave the vacant building of the university due to the construction work. I then transported all my belongings to the new premises of the Trans-medial class in the Vordere Zollamtsstraße 3. There I found a place that I could use as a camp, but was seldom at university overs the course of the next few months. Only in August did I get to experience a new work situation there. Since I prepared for the completion of my studies, which was planned for the winter semester, I began to think again about the execution of my future intentions.

 

 

 

 

HOPPIN KRIEAU / STALL X

Am 16. September nahm ich an einer Gruppenausstellung Teil, die in den Stallungen der Trabrennbahn Krieau in Wien stattgefunden hat. Ich präsentierte zwei Arbeiten. Zum einen den aktuellsten “Stand der Materie / September 2016” (Prozess seit 2014, Installation, eine Arbeitssituation, eine absolute Anwesenheit, der ganze Besitz als ein Interpretationsfeld für den Betrachter und Werkzeug für den Künstler, das Potential der Vergangenheit versus Gegenwart) und eine separate Arbeit, die ich extra für den Raum und den Moment der Eröffnung entwickelt habe: “Stall X, Raum18” (Raumintervention, Kerze, Feuer, Markierung auf der Zeitlinie parallel der Durchführung meines Prozesses). Es war eine großartige Gelegenheit, das Konstrukt meiner aktuellen Position in einem neuen, für mich abstrakten, Rahmen zu erfahren. Die gegenseitige Wirkung von der Inszenierung und dem, was schon da war, führte zu einer speziellen Stimmung.


On September 16th I participated in a group exhibition that took place in the stables of the Krieau racetrack in Vienna. I presented two works. For one, the most up-to-date “state of matter/September 2016” (process since 2014, installation, a work situation, an absolute presence, the whole possession as a field of interpretation for the viewer and tool for the artist, the potential of the past versus the present) and a separate work that I have developed especially and specifically for the space and the moment of the opening: “Stall x, Raum18” (room Intervention, candle, fire , marking on the timeline parallel to the execution of my process). It was a great opportunity to experience the construct of my current position in a new, abstract, framework. The reciprocal effect of the staging and what was already there led to a special atmosphere.

 

 

 

Zwischen der Ausstellung und dem Ende des Jahres, erlebte ich noch vier Arbeitssituationen auf der Klasse. Nachts, als niemand mehr da war, war eine perfekte Zeit für meine atmosphärischen Installationen und um das akustische Element meiner Arbeit anzuwenden. Ich beschloss auch, mein Diplom auf das Sommersemester zu verschieben und mir mehr Zeit für die Planung zu nehmen.


Between the exhibition and the end of the year, I experienced four more working situations in my class. At night, when no one was there, it was a perfect time for my atmospheric installations and to apply the acoustic element of my work. I also decided to postpone my diploma to the summer semester and to take more time to plan.

 

 

 

2017:

Anfang des Jahres 2017 setzte ich mich intensiv mit den handgeschriebenen Inhalten der Textrolle auseinander. Diese von Beginn an zu lesen, war ein Versuch der Verschiebung meiner aktuellen Perspektive, aus der ich auf die Gegenwart blickte. Denkprozesse, die ich in der Vergangenheit materialisiert habe, dienten mir jetzt als Instrument. Es war für mich eine gute Methode, um meine routinierte Herangehensweise zu unterbrechen, um ein anderes Gefühl zu meiner Arbeit zu provozieren. Dabei bemerkte ich, wie genau die damaligen Zustände und Positionen darin visualisiert waren. Sehr viele Details und einzelne Elemente, die mich auf ganz neue Gedanken brachten. Das Potential, das sich selbst potenziert hat. Während ich die Textrolle durchlas, machte ich Fotografien von bestimmten Fragmenten und schrieb meine aktuellen Notizen in ein separates Heft noch dazu.


At the beginning of 2017, I took a close look at the handwritten contents of the Text-reel Reading this from the beginning was an attempt to shift my current perspective, from which I looked at the present. Thought processes that I had materialized in the past now served me as instruments. It was a good method for me to interrupt my experienced approach in order to provoke a different feeling to my work. I noticed exactly how the states and positions were visualized. Very many details and individual elements that brought me to new thoughts. The potential that has fulfilled itself. While I was reading the text-scroll, I made photographs of certain fragments and wrote my current notes in a separate booklet.

 

 

 

LIGHTNESS AND MATTER
In der Gruppenausstellung der Klasse für Transmediale Kunst „Lightness und Matter. Matter and Lightness“, im Kunstraum Niederösterreich (kuratiert von Brigitte Kowanz und Peter Kozek), wurde in der Zeit zwischen dem 19. Jänner und 11. Februar die Sonnenfinsternismünze präsentiert. Bei der Teilnahme an der Ausstellung ging es mir um den Fakt der Präsenz, die geschichtliche Bedeutung und die Hinterfragung des Potentials.


In the group exhibition of the class for Trans-medial art “lightness and matter. Matter and lightness “, in the Kunstraum Niederösterreich (curated by Brigitte Kowanz and Peter Kozek), the Coin of the Solar Eclipse was presented in the period between January 19 and February 11. When I participated in the exhibition, I was concerned with the historical significance and the questioning of possible potential.

 

 

 

Zurück zur Textrolle. Nach längerem Lesen kam ich zu einem Moment, in dem ich aufhören musste. Ich bemerkte, wie stark es mich im Jetzt beeinflusst und beschloss, sie in der Zukunft ganz auf einmal zu lesen, um den gesamten Inhalt auf mich wirken lassen zu können. Einen Überblick über eine lange Zeitperiode meiner Vergangenheit, in einem kurzen, intensiven Stück meiner Gegenwart mitzubekommen. Es verlangt aber die Erfüllung bestimmter Voraussetzungen. Nämlich einen richtigen Ort, der neutral ist, wo mich nichts ablenkt, ausreichend Zeit und einen freien Kopf, um mich nur auf den Inhalt und die damit verbundenen Gedanken konzentrieren zu können.

 

Die Textrolle als Objekt, thematisiert für mich das Zusammenspiel zwischen dem Inhalt und der visuellen Erscheinung. Das Äußere bietet dem Betrachter eine Möglichkeit der ästhetischen Empfindung, bildet gleichzeitig die Grenze des Wahrnehmbaren.


Back to the Text-scroll After a long time reading I came to a point where I had to stop. I noticed how strongly it influenced me in the present and decided to read it all at once in the future in order to allow the entire content to work on me. An overview of a long period of my past, in a short, intense moment of my present hearing. However, it requires the fulfilment of certain conditions. Namely, a real place that is neutral, where nothing distracts me, enough time and a free head to concentrate only on the content and the thoughts associated with it.

 

The text-scroll as an object, for me, focuses on the interaction between the content and the visual appearance. The exterior offers the viewer a possibility of aesthetic sensation, at the same time forming the boundary of the perceptible.

 

 

 

 

 

In der darauf folgenden Zeit kreierte ich ein analoges Bildarchiv aller meiner Arbeitssituationen, die ich seit der Rückkehr in die Universitätsräume bis zum jetzigen Moment, erlebt hatte. (Diese Dokumentationen entstanden nach der „Raumzeit“ und befanden sich natürlich nicht in den Büchern) Da der Gedanke des naheliegenden Diploms sehr präsent in meinen Überlegungen war, bereitete ich mich auf den nächsten Schritt der Aktualisierung des Buches “Stand der Materie” vor. Es war nicht klar, ob ich zu dem Zeitpunkt meiner Präsentation die Produktion eines neuen Buches finanzieren können würde. Auch wenn mein ursprüngliches Ziel es war, zum Diplom nur noch ein Buch, eine Festplatte und eine Website zu besitzen und zum Zeitpunkt der Präsentation eine absolute Anwesenheit mit dem Publikum zu erleben, war ich mir nicht sicher, ob es für mich machbar ist. Also bereitete ich eine zweite Variante vor, druckte die Arbeitssituationen auf DIN-A4 Blätter und organisierte sie chronologisch in Folien. Ich dachte, dass es trotzdem eine gute Form der Visualisierung sein könnte. Diese Bildinhalte zeigen nicht nur viele Inszenierungen in verschiedenen Räumen und die damit verbundenen Atmosphären, sondern ermöglichen ein Nachvollziehen des Lebens der einzelnen Objekte, die sich in meinem Besitz befanden.


In the following time, I created an analogue image archive of all my work situations, which I had experienced since returning to the university rooms, right until the present moment, (these documentaries were created after the previous collection period and were of course not in the books). Since the thought of the diploma was very present in my thoughts, I prepared myself for the next step of updating the book “State of Matter”. It was not clear whether I would be able to finance the production of a new book at the time of my presentation. Even though my original goal was to have only one book, one hard drive and one website, and to experience an absolute presence with the audience at the time of the presentation, I was not sure if it was feasible for me. So I prepared a second variant, printed the working situations on A4 sheets and organized them chronologically into slides. I thought it might still be a good form of visualization. This pictorial content not only shows many productions in different rooms and the associated atmospheres, but also enables the life of the individual objects that were in my possession to be traced.

 

 

 

 

Während der letzten 3 Jahre (meines Prozesses), wurde ich immer wieder mit der Kritik konfrontiert, dass ich ständig dasselbe mache, dass ich keine Objekte mehr baue und dass es keine Entwicklung mehr gibt. Aus der Perspektive der Außenstehenden, die keinen genauen Einblick in mein Werk hatten, konnte ich mir das gut vorstellen. Ich wusste aber genau, was es bedeutet, den Prozess von innen zu erfahren. Sich im Zentrum einer Position zu befinden, mit der Vielschichtigkeit ihrer Konstruktion vertraut zu machen und die ununterbrochene Bewegung durch die Zeit zu erleben.

 

Das Thema der materiellen Produktion ist schon immer ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Meine aktuelle Einstellung und Anwendung unterscheidet sich natürlich von der, wie sie vor dem Beginn des Prozesses war. Es macht einen Unterschied, ob ich jetzt experimentiere, um zufällig auf etwas Interessantes zu kommen oder dadurch mit mir selbst kommuniziere, ein Werk veröffentliche, um mit einer bestimmten Gruppe oder mit der ganzen Welt in Interaktion zu treten, mich an ein bestimmtes Format halte, um es verkaufen zu können oder ob ich ein Stück Material bearbeite, weil es sich einfach gut anfühlt.Während des Verlaufs meines Prozesses, hatte ich manchmal ein starkes Bedürfnis der Produktion. Ich weiß auch, dass eine Phase kommen wird, in der ich mich einem intensiven Produktionsprozess, nach meinem langen Produktionsentzug, widmen werde.

 

Zu hinterfragen, warum man etwas macht, ist von essentieller Bedeutung.

Ist das, was ich tue, relevant für die Situation, in der ich mich befinde?

 

Oder gibt es etwas anderes, was ich jetzt tun sollte? Die Antwort auf diese Fragen ist mit dem Verständnis der aktuellen Situation verbunden. Wie weit kann oder will man mit der Analyse und dem Verständnis seiner Situation gehen? In meinem Fall provoziert mich die aktuelle Situation der menschlichen Entwicklung und lässt mich die Rolle und Funktionen der Kunst, aber auch einfach die Ursachen meiner Absichten, neu hinterfragen. Ich nahm mir vor, in Zukunft das produzierte Wissen herauszukristallisieren und meine Arbeitsmethodik, die eigentlich auf jeden anwendbar ist, um einiges zu erweitern.


 

During the last 3 years (of my process), I was constantly confronted with the criticism that I constantly state the fact that I am not building objects and that there is no longer any development. From the outsiders perspective, who did not have an accurate insight into my work, I could well imagine that it would seem that but I knew exactly what it means to experience the process from within. To be at the center of a position to familiarize yourself with the complexity of its construction and to experience the uninterrupted movement through time.

 

The subject of material production has always been an important part of my work. My current setting and application is of course different from the way it was before the start of the process. It makes a difference whether I am experimenting now, coming by chance to something interesting or communicating with myself, publishing a piece of work, interactacting with a particular group (or the whole world), keeping myself in a certain format, to be able to sell it or because it just feels good to work with a certain material. During the course of my process, I sometimes had a strong need to produce. I also know that there will be a phase in which I will devote myself to an intensive production process, after my long production withdrawal.

 

To question why one is doing something is of essential importance.

Is what I am doing relevant to the situation in which I am?

 

Or is there something else I should do now? The answer to these questions is linked to an understanding of the current situation. How far can we go with the analysis and understanding of ones situation? In my case, the current situation of human development provokes me and makes me question the role and functions of art, but also the causes of my intentions. I decided to crystallize the knowledge produced in the future and to expand my method of working, which is actually applicable to everyone.

 

 

 

 

PREVIEW
Am 16. März inszenierte ich, im Rahmen der Ausstellungsreihe „DREISECHSFUENF #1“, in den Räumlichkeiten der Masc Foundation in der Grundsteingasse 40, 1160 Wien, eine Situation, die ich “Preview” nannte. Einerseits ermöglichte die Arbeit, sich selbst in einer Position zu sehen und zu reflektieren, andererseits war es ein Verweis auf das, was kommt.


On 16 March I staged a “Preview” within the framework of the exhibition series “DREISECHSFUENF # 1” in the premises of the Masc Foundation in Grundsteingasse 40, 1160 Vienna. On the one hand, the work enabled it to see and reflect itself in one position, on the other hand it was a reference for what was to come.

 

 

 

Die Vorbereitung auf das Diplom verlief sehr intensiv. Die Absichten, die ich hatte, wurden im Verlauf des Prozesses mehrerer Arbeitssituationen immer klarer. Meinen ganzen Besitz teilte ich in Gruppen auf, die entsprechend ihrer Funktionen positioniert und verwendet werden. Manche Elemente werden in die Sammlungen der Stadt Wien und der Universität für Angewandte Kunst aufgenommen, manche werden im weiteren Verlauf instrumentalisiert, manche bleiben weiter in meinem Besitz.

 


The preparation for my diploma was very intensive. The intentions I had were becoming more and more clear in the process of several working situations. I shared all my possessions in groups that are positioned and used according to their functions. Some of the elements are included in the collections of the City of Vienna and the University of Applied Art, some of which are still being used in the future, some of them remain in my possession.

 

 

 

 

Diplom als Gesamtwerk – Diplom als Moment

 

Die Komplexität meiner Arbeit lässt sich im Ganzen während der Diplom-Präsentation nicht vermitteln. Es wird auch keine Pointe geben. Nur den Moment auf der Zeitlinie einer Geschichte. Ein Treffpunkt der Potentiale. Kommunikationsebenen, Informationstransfer und die Tiefe des Ineinandergreifens. Eine Gelegenheit, ein Abbild zu hinterlassen. Es wird schnell vergehen und für immer bleiben.

 

Es war mir wichtig, bis zum Zeitpunkt meines Diploms, alle Elemente meiner bisherigen Arbeit alleine zusammenzufassen und ein Bild zu kreieren, das nur auf meiner Selbstperspektive basiert.


Diploma as a whole -Diploma as a moment

 

The complexity of my work can not be conveyed as a whole during the diploma presentation. There will be no pointe. Just a moment on the timeline of a story. A meeting place for potential. Communication, information transfer, and the depth of interwined pieces. An opportunity to leave an image. It will quickly pass away and remain forever.

 

It was important to me, until the time of my diploma, to summarize all the elements of my work so far and to create a picture based solely on my own perspective.

 

 

 

 

In der Zeit zwischen der Fertigstellung meines Diplombuches und dem Moment der Präsentation am 19. Juni 2017, entstand ein neues Objekt. Der schwarze Tisch wurde um zwei Meter erhöht. Ein Akt, der die Wichtigkeit einer Arbeitssituation unterstreicht und gleichzeitig als Symbol für die Grenze zwischen der Zukunft und der Vergangenheit steht.


The time in between the completion of my diploma book and the moment of the presentation on June 19th, 2017, a new object was created. The black Table was positioned two meters higher by prolonging the legs. This act, which highlights the importance of the work situation and is simultaneously a symbol for the line between past and future.

 

 

Gruppenbild 1 (Buch), Gruppenbild 2 (Buch und 50 Schlüsselanhänger), das Buch “Stand der Materie 2017” (Diplomfoto), Sonnenfinsternismünze, Texte+Bücher


Group picture 1 (book), group picture 2 (book and 50 key rings), the book “State of Matter 2017” (diploma photo), Coin of the solar eclipse, texts+books

 

BRANCHBOARDING, separiert von den anderen Arbeiten | BRANCHBOARDING, separated from the other works

 

Werkzeug und Material, das Buch “Arbeiten 2007-2014”, die Webseite. | Tools and materials, the book “works 2007-2014”, the website.

 

 

 

Meine ursprüngliche Absicht für die Abschlusspräsentation war ein Gespräch mit der Kommission (ohne die üblichen Zuschauer). Das wäre für mich der direkteste Akt einer Informationsübertragung und einer Möglichkeit für die gemeinsame Reflexion/ Unterhaltung gewesen. Es kam aber anders, als geplant. Die Dynamik der Situation an diesem Nachmittag führte zu einer klassischen Präsentation mit ca. 30 Zuschauern, die mir gemeinsam mit der Kommission gegenüberstanden. Ein Unberechenbarkeitsfaktor, auf den ich reagieren musste. Dadurch bekam die Situation einen performativen Charakter. Das Endprodukt war ein Buch, das extra für die Angewandte-Sammlung konzipiert wurde. Es visualisierte meinen künstlerischen Prozess der letzten drei Jahre, bis zu dem Moment der Diplompräsentation und sollte das Ergebnis der Situation in sich tragen. Die letzten 8 Seiten des Buches waren bis auf die Seitenzahlen leer. Ich habe die Kommission vor die Wahl gestellt: Entweder die einzelnen Seiten als Teil der Geschichte (ein Dokument in materieller Form) zu erhalten und danach eine gemeinsame Fotografie zu produzieren, die die ausgerissenen Seiten im Buch ersetzt. Oder sie signieren die leeren Seiten, die nicht ausgerissen werden und im Buch bleiben.

 

Es endete mit folgendem Ergebnis: Es entstand eine Fotografie, auf der drei der Kommissionsmitglieder und ich die ausgerissenen Seiten in den Händen halten, die anderen vier hinterließen ihre Unterschrift auf den leeren Seiten im Buch, die nicht ausgerissen wurden.

 


My original plan was to have a talk with the commission as my final presentation (without the usual audience). This would have been the most direct way of an information transfer for me, as well as an opportunity for reflection / conversation. But things would be different. The dynamic of this afternoon led to a more classic presentation of circa 30 audience members, standing across from me alongside the commission. An incalculable factor, to which I had to react to. The character of the situation consequently became more performative. The final object/product was a book, which was conceptualized for the collection of the Angewandte. It visualized my artistic process/evolution over the last three years, up to the moment of the diploma presentation and were supposed to carry the result of that situation. The last 8 pages are empty except the page number. I members of the commission could chose: they would either each receive a page from the book as a part of the story (a document in its material form) and then take a photograph together which would substitute the missing pages in the book. Or they sign the respective page in the book, which is not being taken out.

 

The result was as follows: a photograph was created, showing three of the commission members and myself with the torn out pages, the other four members left their autograph on the empty pages which stayed in the book.

 

Das Buch | the book: “Tomasz Vollmann / Stand der Materie / 2017”

 

4 herausgerissene Seiten | 4 pages pulled out

 

Unterschriften | signatures: Ilse Lafer, Martin Kusch, Alexander Martinz, Brigitte Kowanz

 

Fotografie | photography: Peter Kotzek, Nicolaj Kirisits, Ruth Schnell, Tomasz Vollmann (halten die herausgerissene Seiten | holding the pulled out pages)